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Endlich mal ein Buch für mich! (Jan-Heye)



Ameland, NL



In twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn´t do than by the ones you did do. (Mark Twain)



Maghera, IRL


Delfzijl, NL




Der große Traum von A-ha-merika

Der neue Roman "Cowboysommer" von Hansjörg Schertenleib

"Sündigen will gelernt sein." Dieses Zitat von Leonard Cohen ist nur eines von vielen, die Hanspeter, der Ich-Erzähler in Hansjörg Schertenleibs neuem Roman "Cowboysommer", an öffentlichen Orten auslegt. Der Schriftsetzer-Lehrling hat immer eine Zündholzschachtel mit Buchstaben dabei, die halbfette 14-Punkt-Caslon.

Die Vorliebe für Zitate, die Ausbildung zum Setzer sind nur zwei von vielen Dingen, die Hanspeter und Hansjörg gemein haben. Auch Hanspeter wird später Schriftsteller. Und während einer Lesung erinnert er sich plötzlich an Boyroth, den er kurz darauf - ein etwas zu unglaublicher Zufall - nach 30 Jahren wiedertrifft. Die Freunde von einst tauchen hinein in ihre Vergangenheit, ins Jahr 1974 in Zürich, als die damals 17-Jährigen von "A-ha-merika" träumten. Boyroth zieht Hanspter hinaus aus der Einöde seines Alltags, der aus Fußball, dem frisierten Mofa und Sex besteht - bei letzterem jedoch einzig den Gedanken daran.

Allein Schertenleibs poetische, ausgefeilte Sprache vermag der Monotonie von Hanspeters Dasein Schönheit zu verleihen. Beeindruckend, wie der gebürtige Schweizer es schafft, das Lebensgefühl eines Jugendlichen der frühen 70er Jahre einzufangen, und zudem verfolgt, wie dieses in der Gegenwart nachwirkt. Hanspeter und Boyroth erwachen eines Tages jäh aus ihrem Traum von "A-ha-merika!", als ihnen die Grenzen ihrer Freiheit aufgezeigt werden. Und die sind recht eng im Zürich der frühen 70er Jahre.



Oudeschans/NL



Interview mit Insa zur Veröffentlichung des Romans "Das Geheimnis des Boxers":

Frau Segebade, eine der beiden Hauptpersonen in Ihrem neuen Roman ist ein Boxer. Ist die Kombination von Literatur und Boxen nicht ungewöhnlich?

Auf den ersten Blick, vielleicht. Aber schaut man sich in der Literaturgeschichte um, ist diese Kombination alles andere als ungewöhnlich. Es gibt rund 150 Romane und Erzählungen, die um das Boxen kreisen. Manfred Luckas hat darüber sogar seine Dissertation geschrieben: "Solange du stehen kannst, wirst du kämpfen - Die Mythen des Boxens und ihre literarische Inszenierung". Bekannte Werke, die sich mit dem Boxen beschäftigen, stammen unter anderem von George Bernhard Shaw oder Jack London. Norman Mailer, Georges Simenon, Wolfgang Hilbig und natürlich Ernest Hemingway haben sogar selber geboxt.

Wie steht es bei Ihnen? Steigen Sie auch in Ihrer Freizeit in den Ring?

Nein, ich boxe nicht. "Das Geheimnis des Boxers" ist auch kein Fachbuch übers Boxen. Es wird aus der Sicht der zweiten Hauptperson geschrieben, aus der Sicht der Schriftstellerin Marie. Sie lernt den irischen Boxweltmeister Chulain Sayers auf einer Buchmesse kennen; also an einem Ort, an dem Marie keinen Boxer vermuten würde. Von Boxern, wenn sie zuvor überhaupt einen Gedanken an sie verschwendet hatte, hat sie nur sehr vage und äußerst klischeehafte Vorstellungen. Das ändert sich, als sie Chulain kennen und lieben lernt.

Wie kam es, dass Sie sich mit dem Thema "Boxen" beschäftigt haben? Haben Sie auch einen Boxer kennen und ...?

Lacht

Nein, bei mir war das anders. Ich bin ja nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Wissenschaftlerin. Als solche beschäftige ich mich schwerpunktmäßig mit dem Starwesen. Vor drei Jahren plante ich ein Forschungsprojekt, in dem ich das Image von Profiboxern untersuchen wollte. Ich habe mich mit dem Management verschiedener Profiboxer in Verbindung gesetzt, es kam zu Treffen sowie interessanten, lehrreichen und äußerst aufschlussreichen Gesprächen. Nur - wissenschaftlich verwerten ließen sich diese Gespräche nicht. Entweder rückten meine Gesprächspartner nicht so richtig mit der Sprache heraus oder sie sagten klar, dass sie das Ganze nicht veröffentlicht sehen wollten. Eigentlich auch logisch, muss ich zugeben. Wer will schon sein Auftreten in der Öffentlichkeit als Image, als Inszenierung verstanden wissen? Die Menschen sollen ja glauben, dass das, was sie sehen, echt und natürlich ist - und kein clever ausgeklügeltes Produkt eines Werbe- und Marketingexperten.

Aber das Thema hatte Sie gepackt.

Genau, und die Literatur bot mir eine hervorragende Möglichkeit, doch noch über "meine" Boxer schreiben zu können. Ich baute mir meinen Boxer aus realen und fiktionalen Elementen zusammen. Ich recherchierte, mischte, verfremdete - und plötzlich war er geboren: Chulain Sayers.

Ist das allgemein Ihr Vorgehen, wenn Sie Figuren für einen Roman entwickeln?

Ja, das kann man so sagen. Ich habe in der Regel eine reale Person, die mich aus den unterschiedlichsten Gründen fasziniert. Wichtig dabei ist, dass ich diese Person nicht genau kenne - das würde, auch wenn das jetzt böse klingt, die Faszination zerstören und vor allem die Fantasie einengen. Bevor es ans Schreiben geht, beschäftige ich mich gedanklich mit dieser Person, setze sie verschiedenen erdachten Situationen aus, überlege, wie sie reagiert, denke mir eine Biografie aus, verändere ihr Äußeres - und auf einmal ist ein neuer Charakter entstanden, der eigenständig agiert und mich durch den Roman führt.

Ist das nicht gefährlich? Kann es nicht passieren, dass man am Ende irgendwo landet, wo man gar nicht hin wollte?

Wenn ich anfange, einen Roman zu schreiben, weiß ich nicht, wie er enden wird. Schriebe ich auf ein bestimmtes Ende hin, würde ich meine Figuren, meine Fantasie zu sehr einengen. Nein, all das braucht Raum, um sich entfalten und entwickeln zu können. Ich finde es immer spannend, wenn ich mich morgens an den Schreibtisch setze, um einen Roman weiterzuschreiben. Ich wundere mich oft selbst, woher die Gedanken und Ideen kommen, die mir dann aus dem Stift fließen.

Ich muss gerade an das romantsiche Ideal des Dichters denken, dem die Musen einflüstern, was er zu schreiben hat.

Okay, dieser Gedanke kommt nicht von ungefähr. Aber ich verkörpere dieses Ideal gewiss nicht bzw. lebe es nicht. Um das zu verstehen, müssen wir ein paar Schritte zurückgehen. Bevor ich meinen ersten Roman "Verstummt" schrieb, habe ich an der Universität Hildesheim Literatur und kreatives Schreiben bei Hanns-Josef Ortehil studiert. Durch dieses Studium, das das Handwerk des Schreibens lehrt, werden die auf den ersten Blick so wilden Gedankengänge beim Schreiben in bestimmte Bahnen gelenkt. Das ist mittlerweile ein unbewusster Vorgang, der aber verhindert, dass das Ganze ausufert - oder im Treibsand versinkt und erstickt.

Das Interview führte die Schweizer Journalistin Rahel Huber




Tramore Beach, IRL


Glenveagh National Park, IRL



"Das Leben ist leicht. Schwer ist nur die Angst davor." (Hansjörg Schertenleib)



Malin Beg, IRL

 
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